Ausstellung Black & White meets Colour Municipal Art Gallery Heraklion 2015 Arn Strohmeyer
ich habe die große Ehre, heute bei der Eröffnung der Ausstellung Black & White meets Colour von Peter Foeller und Piero Meogrossi ein paar einleitende Worte sagen zu dürfen. Mein Name ist Arn Strohmeyer, ich bin ein deutscher Schriftsteller und Freund der beiden Künstler und auch ein Begleiter und Anhänger ihres künstlerischen Werkes. In einer Zeit, in der die Spannungen zwischen Nord und Süd in Europa, vor allem zwischen Griechenland und der EU, speziell Deutschland, so groß sind, und Griechenland so schwere Zeiten durchlebt, ist es ein ganz besonderes Ereignis, wenn zwei Künstler diese Gegensätze überwinden und hier zu einer Ausstellung zusammenfinden. Der eine Künstler – der Maler Peter Foeller – kommt aus dem Norden, liebt den Süden und seine so intensiven Farben, der andere – Piero Meogrossi – kommt vom Mittelmeer, ist als Römer ein großer Liebhaber der Antike und dazu ein begnadeter Zeichner. Er steht für SchwarzWeiß in dieser Ausstellung.
Dass diese Ausstellung in Heraklion stattfindet, ist sicher kein Zufall. Diese Stadt ist seit Urzeiten ein Treffpunkt der Kulturen, ein Ort der Begegnung von Menschen aus Norden und Süden, aus Osten und Westen. Aber nicht nur das: Kreta ist der Ausgangspunkt der europäischen Zivilisation – symbolisiert in der phönizischen Königstochter Europa, die von Zeus hierher entführt wurde. Was für ein wunderbares Zusammentreffen, wenn hier jetzt in der Kunst Norden und Süden zusammenkommen! Peter Foeller kennt Kreta seit über 30 Jahren, er hat einen großen Teil seines Lebens in seinem Haus in dem Dorf Plora verbracht. Mit seinem einmaligen Malstil, den ich einen abstrakten musikalischen Lyrismus nennen würde, hat er kretische Motive eingefangen – nicht direkt gegenständlich, aber sehr typisch und treffend. Ich kenne Kreta auch sehr gut und ich kann in jedem seiner Bilder in den Formen und Farben wieder erkennen. Foeller malt nicht die Wirklichkeit ab, sondern versucht, das Wesentliche, von dem, was er um sich sieht, zu gestalten.
Ich würde seine Malerei so beschreiben: alles lebt hier vom Gegensatz. Die klar konstruierten geometrischen Architekturen, die aber nie in reiner Form auftreten, sondern immer verzerrt, gebrochen, fragmentiert, überraschend verformt und zersplittert sind. Es sind flächige oder plastische Gebilde und Körper von oft surrealer und suggestiver Schönheit. Aber um diese feste und beinahe logische Ordnung brodeln in enger Überlagerung und Verschachtelung andere Kräfte und Energien – vage, diffus, unbestimmt, alogisch, amorph, zerstäubend und zerfließend umschwirren sie die geometrische Klarheit, scheinen sie zu bedrohen und zerstören zu wollen,
aber es kommt nicht dazu, weil die polare Spannung durch Harmonie zum Ausgleich gebracht wird. Rhythmus und Dynamik seiner Bildelemente erinner unwillkürlich an musikalische Kompositionen.
Piero Meogrossis Kunst ist von ganz anderer Art. Er ist ein detailgenauer Zeichner und mit dieser hohen handwerklichen Kunst steigt er mit seinen Bildern in die Tiefen von Mythos und Geschichte hinab. Er will Mythos und Geschichte wiederbeleben, stellt als archäologischer Architekt geheimnisvolle Achsen-Beziehungen zwischen Rom und Kreta her. Seine Zeichnungen muten oft ganz realistisch an, oft aber auch traumhaft und surrealistisch. Diese Realitätsferne wird durch die Schwarz-Weiß noch gesteigert. Deshalb sind sie oft auch schwer zu interpretieren. Piero Meogrossi glaubt fest daran, dass wir, die wir in einer Zeit voller Spannungen und Ungewissheiten leben, die Harmonie und die Ordnung nur zurückgewinnen können, wenn wir uns an dem großen Vorbild der Antike orientieren. Dazu sind seine Bilder eine Annäherung.
Es sind zwei fremde künstlerische Welten, die sich hier begegnen und auf den modernen Geist der Griechen und Kreter treffen. Ich bin sehr gespannt, wie Sie – die Kreter diese Bilder aufnehmen werden. Ich hoffe aber, dass aus dieser Begegnung etwas sehr sehr Fruchtbares erwächst. Ich danke Ihnen!