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Dr. Ursula Prinz - Rede zur Eröffnung

Peter Foeller ist Vollblutmaler. Wenn man ihm glauben darf, tut er eigentlich nichts anderes als malen – und der Umfang seines Werkes spricht dafür.

Er selber sagt: „Meine Kunst ist ein Stück Leben. Ich bin geboren worden und ich werde sterben. In der Zeit, die dazwischen liegt, mache ich etwas. Ob das letztendlich Kunst ist, bestimme nicht ich. Ich mache meine Arbeit – ich male.“ 

In dieser Ausstellung sind im wesentlichen Werke der letzten Jahre versammelt, in denen der Künstler noch einmal zu einer neuen Synthese in seinem Schaffen gefunden hat. Zugleich ist es ein wenig Abschied von Berlin, zumindest vom Atelier. Peter Foeller wird sich nun noch mehr in seiner seit langem schon zweiten Heimat und im schönen großen Atelier auf der Insel Kreta aufhalten. Aber als  - in Starnberg geborener  - alter Berliner wird das für ihn natürlich kein endgültiger Abschied sein.

Ich kenne das Werk von Foeller seit einigen Jahrzehnten.  Auf den ersten Blick liegen Welten zwischen den damals sehr berühmten pastellfarbenen und geometrisch-strengen Siebdrucken und der in dieser Ausstellung blühenden Farbenpracht der Malerei. Bei näherem Hinsehen offenbart sich jedoch die Konsequenz des Künstlers, der in immer neuen Schritten zur Reife seines persönlichen Stils gefunden hat, den Sie nun hier bewundern können.

Die leuchtenden Farben springen sofort ins Auge. Der trübe Winter ist ausgesperrt. Die Kraft der Sonne und das Licht des Mittelmeers erfüllen den Raum. Dramatische Kontraste wechseln mit tänzerischen Episoden. Schiffe, Vögel, Wasser, Blumen, Schmetterlinge und Fische schweben über die Bildoberflächen und beschwingen den Betrachter. Der nun kann seiner Fantasie freien Lauf lassen, denn diese zunächst abstrakt anmutenden Bilder sind voller gegenständlicher und geistiger Bezüge, die es zu entdecken gilt. Es soll eine Freude sein, die Bilder zu betrachten und diese Freude ist durchaus legitim, auch wenn sich dann bei näherem Hinsehen doch tiefere und ernstere Hintergründe auftun.

Charakteristisch für Foellers Bilder sind bei aller Farbenpracht bis heute die graphischen, architektonisch strengen Elemente. Immer gibt es einen Grund, von dem sich die Komposition und die farbliche Gestaltung abheben. Und schon hier wird deutlich, dass Foeller kein „wilder“ Maler ist, sondern ein stark reflektierender und exakt komponierender, dessen Grundlagen und Vorbilder sich in so klassischen Künstlern wie zum Beispiel Tizian und Claude Lorrain nachweisen lassen. Das wird in vielen Arbeiten deutlich, besonders aber in einer der größeren aus dem Jahr 2007. Sie heißt „Let`s get together“. Das Bild wird durch eine Horizontlinie über dem blauen Farbfeld, das das Meer assoziieren lässt, zweigeteilt. Aus dem Hintergrund strahlt das Licht – wie bei Lorrain - nach vorne, dem Betrachter entgegen. Vom linken und rechten Bildrand ragen Farbelemente herein, die sich aufeinander zu bewegen. Eine Seite ist dunkel, blau, die andere hell und feurig, rot und gelb. Ein rotierendes, durch kantige Linien umrissenes Teilchen scheint sich aus dem Dunklen losgemacht zu haben und zum Hellen hinüberzufliegen.

Der Kontrast von Hell - Dunkel , Rot – Blau, formaler, fest umrissener Gestaltung und zerfließender Farbe, ist ein in den neuen Werken von Foeller immer wieder begegnendes Phänomen. Seine Bilder – und sein Weltbild – sind aus der Gegenüberstellung und Verbindung von Gegensätzen aufgebaut, die sich nicht nur in der Farbe, sondern auch in der Form manifestieren. Dabei verweist diese Kontrapunktik auf einander bedingende Widersprüche wie Tod und Leben, Tag und Nacht, Liebe und Haß, oder auch Härte und Sanftheit, Männlich – Weiblich, Flüssig – Fest. Die Elemente, Erde, Feuer, Luft und Wasser vermischen sich in den Gemälden zu einer den Kosmos nachzeichnenden Bildwelt. Wie im Kosmos fügen sich die Elemente zu einer Einheit zusammen, allerdings nicht ohne Anstrengung, oftmals nicht ohne Kampf. In den Bildern herrscht immer Bewegung, selbst wenn der Titel „Stille Begegnung“ lautet. Was diese Bildwelt zusammenhält, ist im Geistigen, und besonders auch im Mythischen, dem Nährboden unseres unseres  Geistes, zu finden. „Glaube - versetzt – Berge“, ein anderer Titel von Foeller, verweist auf das fünfte Element, den Geist oder auch die Transzendenz.

Die Bilder zeichnen sich darüber hinaus durch eine prägnante Räumlichkeit aus, die manchmal diffus ist, manchmal durch architektonische Elemente klar gegliedert erscheint, um aber im gleichen Moment wieder verstörend zu wirken, weil sich die Ebenen und Flächen, sowie Schnittlinien verwirrend überlagern. Manche Bilder scheinen polternden Lärm zu machen, so das Bild „Zeitpendel“, andere verströmen galaktische Ruhe, wie die „Weiße Wolke“, ein Bild das durch seine merkwürdige Form auf Foellers Malvorgang verweist. Es  beginnt mit einer Anregung, die oft aus der unmittelbaren Umgebung oder Stimmung des Künstlers kommt . Dann weitet sich der Gedanke, die Malerei aus und es wird angestückt, durchaus auch in einem anderen Format, bis das Bild „fertig“ ist.

Bei dieser Vorgehensweise ist es gut zu verstehen, dass Foeller gerne in Serien arbeitet, in Bildentwicklungen oder auch – Themen mit Variationen. Zunehmend macht sich bei ihm eine schwebende Leichtigkeit bemerkbar, die  einer neu gewonnenen Freiheit im Umgang mit den künstlerischen Mitteln, aber auch mit den Inhalten zu verdanken ist. Dennoch wäre ich vorsichtig, dieses nun als „Altersstil“ zu begreifen. Foeller hat immer wieder bewiesen, dass sein Weg nicht statisch ist, sondern evolutionär. Wie ein Alchemist vermischt er seine ungleichen Zutaten miteinander und er zeigt sich auch durch die  dramatischen Geschehnisse unserer Gegenwart nicht unbeeindruckt. Auch dieses versucht er in seine Kunst einzubeziehen und schlägt sich so lange damit herum, bis er eine befriedigende Umsetzung gefunden hat, ohne seine eigene Bildwelt zu verraten.

Eine wesentliche Triebkraft seiner Arbeit ist die Sehnsucht, Sehnsucht wonach? Nach Freiheit, Weichheit, Vollkommenheit? Er hat sich von den konstruktiven Elementen des Beginns weitgehend befreit und in der Farbe eine Erlösung gefunden. Aber die Suche geht weiter. Form und Farbe gehören zueinander wie „Zwillinge“, ein anderer Bildtitel von Foeller. Annäherung, Umschreibung, genaues Hinsehen und Hinfühlen sind sein Weg. Und immer wieder auch  die Rückbesinnung auf die Anfänge.

Peter Foeller ist ein weitgereister Mann. Er war zum Beispiel in Indien und in Aserbeidschan, meistens auf  Einladung der Goethe-Institute zu künstlerischen workshops.  Die Eindrücke dieser Erlebnisse sind in seine Arbeit eingeflossen, nicht direkt, aber doch spürbar. Die Beschäftigung mit dem Buddhismus hat ihn ebenfalls geprägt, ohne dass er sich deswegen für einen Buddhisten halten würde. Foeller lässt sich nicht festlegen, schon gar nicht in dogmatischem Sinne. Doch die Suche nach Wahrheit, nach Verstehen von Welt und Leben, sind Grundlagen seiner Kunst.   Als kenntnisreicher Künstler leugnet Foeller auch nicht seine Verwandten im Geiste, die ihm vorangegangen sind. Dazu gehört vor allem Max Ernst, dessen leichte und schwebende, oft heitere Gestalten aus pflanzlichen oder zwitterhaften Formen uns beim Betrachten seiner Arbeiten gern in den Sinn kommen. Dennoch – die Zeit, die seither vergangen ist, prägt auch die Kunst von Foeller. Die Kühnheit, ja Buntheit seiner Farben ist bei Ernst nur im Ansatz zu finden. Und es ist eine besondere Qualität dieser Bilder, dass sie, auch wenn sie alle Farben in sich vereinen, von großer Geschlossenheit und Ausgewogenheit sind. Auch wenn sie den Rahmen zu sprengen scheinen, ruhen sie doch letztlich in sich selbst, haben eine Mitte und Balance der Komposition, vor allem auch der farblichen Komposition.

Der Künstler selber beruft sich auch auf Francis Bacon. Die Beschäftigung mit Kampf und Tod beherrscht einige seiner Bilder. Aber zumeist  springt doch eher das spielerische Element ins Auge. August Macke kommt mir da eher in den Sinn, vielleicht auch Kandinsky. Aber all diese Erinnerungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Foeller einen eigenen Weg eingeschlagen hat, der sich in keine derzeitigen Strömungen, schon gar nicht Modeströmungen, einreihen lässt.

Er ist sich selber treu geblieben in einer durch die vergangenen Jahrzehnte nachzuvollziehenden Weise, die die Herkunft aus dieser Zeit keineswegs verleugnet. „Antipoden“, ein kleineres Bild aus dem letzten Jahr, stellt programmatisch die wabernde Feuerwelt der Farbe den durcheinanderstürzenden Gebilden geometrischer Konstruktionen gegenüber. Zwei gegensätzliche Welten scheinen kurz vor dem Zusammenstoß aufeinanderzuzurasen. Sie verkörpern zugleich das Apollinische und das Dionysische, Opponenten, die doch nur zwei Seiten der Medaille sind, die unser Leben und die Kunst ausmachen.

Nicht zuletzt soll noch einmal darauf hingewiesen werden, das es diese Malerei ohne das große und unerschöpfliche Vorbild der Natur nicht geben würde und dieses ganz besonders, weil nicht versucht wird, sie nachzuformen. Dennoch ist es die Natur, die in all diesen Bildern gegenwärtig ist.

 

Dr. Ursula Prinz